Nun ist es fast vorbei … am Montag erfolgt noch die Urnenbeisetzung und dann ist meine Oma beerdigt …
Vor einer Woche war die Trauerfeier am geschloßenen Sarg. Der ganze Tag war irgendwie merkwürdig. Aber mal Stück für Stück:
Noch zu Lebzeiten legten meine Großeltern fest, wie ihre Bestattungen ablaufen sollen. Beide hatten sich für eine anonyme Urnenbestattung entschieden. Da wird dann die Urne auf einer größeren Rasenfläche eines Friedhofes “irgendwo” eingesetzt.
2003 starb zuerst mein Opa. Die ganze Bestattung wurde genau nach seinen Wünschen organisiert und durchgeführt … damals noch in dem Ort, in dem die beide wohnten.
2004 entschied sich meine Oma aber weg zu ziehen … zu einem ihrer beiden Söhne. In dem Mietshaus in dem er wohnt war eine Wohnung frei geworden. Der Umzug hatte natürlich einige Vorteile – sie war dadurch etwas näher zu einem Teil ihrer Familie gezogen. Sie hatte sich, nach eigenen Aussagen zu folge, dort sehr wohl gefühlt … ist auch eine schöne Siedlung, die da hoch gezogen wurde.
Durch die Nähe zu meinem Onkel war es dann auch klar, das er nach ihrem Tod primär die Beerdigung organisierte.
Meiner Oma war es wichtig, in der Nähe ihres neuen Wohnortes beigesetzt zu werden … nicht dort, wo auch Opa beerdigt wurde. Das hat sicher unterschiedliche Gründe, aber einer könnte der sein, das sie schon zu Lebzeiten immer mehr an andere als an sich selbst gedacht hat und schon damals immer wollte, das ihre Verwandten mit ihrem Tod nicht so viel Aufwand haben. Tja, so war sie.
Abgelaufen ist der Tag so: um 12:00 Uhr Treff in einem Restaurant um Mittag zu essen, zu 14:00 Uhr gings in die Kirche zur Trauerfeier und anschließend noch mal in dieses Restaurant zu Kaffee & Kuchen.
Ein Mittag vor der Trauerfeier … das war die Merkwürdigkeit Nummer 1.
Ist hier eigentlich nicht üblich. Aber mein Onkel konnte es ganz gut begründen, da er es selbst schon erlebt hatte: Viele kommen von etwas weiter her sitzen dann u.U. hungrig in einer kalten Kirche um danach süßen Kuchen auf leeren Magen zu sich zu nehmen. Er wollte, das sich bei der Trauerfeier jeder so wohl wie möglich fühlt … wie es die Situation eben her gibt. Das war ein Fürsorgegedanke meines Onkels und ganz lieb gemeint.
Noch bevor dieses Mittagessen begann, erzählte er noch wie denn die Tage rund um den Tod meiner Oma waren … also, wie sie sich so verhalten hat, wie das Ganze abgelaufen ist und welche Todesursache es gab usw. Unter anderem erwähnte er, das er sie mal gefragt hätte, ob sie denn gläubisch wäre. Sie antwortete wohl “Ja, ich Glaube, aber nicht an Gott.”.
Und hier ist die Merkwürdigkeit Nummer 2 … die Merkwürdigste von allen: Obwohl mein Onkel also wusste, das sie keinerlei Bezug zu Gott & Co hatte, war die gesamte Trauerfeier kirchlich ausgerichtet. Völliges Unverständnis!! Ich meine, das es in der Kirche stattgefunden hat war ok … irgendwo muss es ja sein … aber das die Trauerfeier von einer Pastorin geleitet wurde, die irgendwas von Lebenskelch erzählte, viel aus der Bibel zitierte und auch mit uns singen wollte … das passte so gar nicht.
Ich gebe es ja zu, ich bin ohnehin kein Mensch der an Gott und die Bibel glaubt … aber ich hätte diese Art der Trauerfeier verstanden und akzeptiert, wenn es denn um einen religiösen Menschen gegangen wäre. War meine Oma aber eben nicht. Hier wäre ein professioneller Redner, der in einer angenehmen Art und Weise von ihrem Leben erzählt, viel schöner gewesen. Schade …
Die dritte Merkwürdigkeit war dann nach dem Kaffee & Kuchen.
Einige Tage vor der Trauerfeier bekam ich einen Anruf von meinem Vater (dem anderen Sohn meiner Oma). Wenn ich denn noch Interesse an dem Hab & Gut meiner Oma haben würde, könnte ich mal vorher oder am Tag der Trauerfeier vorbeifahren und schauen, ob ich was gebrauchen könnte.
Das hatte irgendwie den Touch von “nicht mal kalt und schon wird das Erbe verteilt”.
Aber man muss auch wissen, das meine Oma schon die Jahre zuvor vieles verteilt hatte und ein Besuch bei ihr immer mit dem Satz anfing “Schaut Euch doch mal um ob ihr was gebrauchen könntet und nehmt es Euch mit. Ich brauche doch sowieso nichts mehr”. Das war immer ganz schlimm. Auch wenn sie es selber so wollte, aber man konnte doch nicht in ihrem Beisein ihre Wohnung leer räumen und sich einfach alles einpacken was einem so gefällt! Ich konnte es jedenfalls nicht.
Nun kam aber noch hinzu, das mein Onkel die Pflicht hatte die Wohnung zu räumen.
Letztendlich sind wir dann noch an dem Tag der Trauerfeier in die Wohnung gefahren. War schon komisch … du kommst da rein in die Wohnung und alles sieht so aus, wie es immer aussah, wenn wir zu Besuch kammen. Auf dem Tisch stand ein Plastiktablett mit Getränken und Gläsern für die Gäste bereit, der Liegestuhl, auf dem es sich meine Oma immer abends bequem gemacht hatte, stand voll bestückt mit Kissen und Decken da … fehlten eigentlich nur noch die obligatorischen Schalen mit Nüssen und Schokolade … und natürlich meine Oma.
Da standen wir nun und sollten “mal schauen”. Mmhh, ok, einen Blick in die Vitrienen kann man ja mal wagen … muss man ja nicht mal die Türen aufmachen. Die kleinen Gläser wären schon schön … aber einfach rausnehmen und einpacken? Nein, erst mal Onkelchen fragen. Und dann? Einfach die Türen von den Schränken aufreißen und drin rum kramen? Ja, genau das habe ich letztendlich auch getan … aber ein komischen Beigeschmack hatte das schon. Wissen sollte man aber noch, das es hier nicht darum ging sich irgendwie zu bereichern. Es hatte wirklich nur einen praktischen Hintergrund. Mein Onkel musste weniger beräumen und jeder, der sich was mitnahm, hat etwas was ihn nicht nur erinnert sondern auch auch praktisch genutzt werden kann. So haben wir letztendlich besagte Gläser und ein paar Kristallschalen mitgenommen.
Es gab an dem Tag aber auch etwas sehr erfreuliches.
Mein Onkel hatte vor ein paar Jahren meine Oma zu ihrem Leben interviewt … und am Tag der Trauerfeier hat er dann sehr schön gestaltete DVD’s dazu verteilt. Einen ersten Teil haben wir uns schon angeschaut … super gemacht, ganz tolle Idee!! Und Respekt an meine Oma, woran sie sich noch alles erinnern konnte!!
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